„Ohne die EU wäre ich nicht nach Hause gekommen.“

Awa Seck Reisende, die dank der EU sicher heimkehren konnte Belgien, Brüssel

Nachdem die EU-Mitgliedstaaten ihre Grenzen geschlossen hatten, saßen zahlreiche Unionsbürgerinnen und -bürger im Ausland fest. Natürlich sollte man in Krisenzeiten am besten zuhause sein. Doch was hätten Sie getan, wenn Sie im Ausland gestrandet wären, als die Pandemie ausbrach? So erging es Awa. Die junge Belgierin saß auf einmal im Senegal fest. Zum Glück organisierte das Europäische Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen Rückflüge nach Europa, und wie Tausende andere, die in der EU leben, konnte auch Awa sicher nachhause zurückkehren. Die Europäische Union hilft den Mitgliedstaaten dabei, Hilfsaktionen für Unionsbürgerinnen und -bürger zu koordinieren und sie mithilfe ihrer Konsulate aus den entlegensten Winkeln der Welt nach Europa zurückzubringen. Mit Erfolg: In der Krise wurde bisher rund 85 000 Menschen die Heimkehr nach Europa ermöglicht.

„Dank der speziellen Lkw-Spuren der EU kann ich auch jetzt europaweit Waren ausliefern – das freut mich.“

Fred Kraftfahrer, der auf den Lkw-Sonderfahrspuren der EU lebenswichtige Waren in alle Mitgliedstaaten bringt Niederlande, Utrecht

Auch wenn die Binnengrenzen in der EU geschlossen sind, sieht man manchmal Lkw, die die Grenzen passieren. Wussten Sie, wie wichtig diese Lkw sind? Sie transportieren Lebensmittel und lebenswichtige Waren. Wir alle in Europa sind von ihnen abhängig – und von hart arbeitenden Kraftfahrern wie Fred. Er sorgt dafür, dass unsere Läden Waren anbieten können und dass unseren Krankenhäusern lebenswichtige Ausrüstungsgegenstände und Geräte nicht ausgehen. Die Europäische Union macht Fred den Alltag in der Fahrerkabine leichter. Am 23. März forderte die Europäische Kommission die Mitgliedstaaten auf, dass sie allen Lkw ermöglichen, Kontrollen und Gesundheitsuntersuchungen an den Grenzen innerhalb von 15 Minuten hinter sich zu bringen. Außerdem gab sie Ratschläge, wie alle, die im Verkehrsgewerbe arbeiten, am besten vor dem Coronavirus geschützt werden können.

„Wir haben so viel geschafft – und dürfen jetzt nicht nachlassen.“

Valentinos Epidemiologe, der im zyprischen Gesundheitsministerium die Nachverfolgung von Kontaktpersonen koordiniert Zypern, Nikosia

Der Epidemiologe Valentinos Silvestros koordiniert im Referat Überwachung und Kontrolle übertragbarer Krankheiten des Gesundheitsministeriums die Nachverfolgung von Corona-Kontaktpersonen. Sein Team ermittelt die Übertragungsketten und durchbricht sie, indem es bereits Infizierte und mit dem Virus in Berührung Gekommene isoliert. Es arbeitet unter schwierigsten Umständen und bringt große persönliche Opfer: Valentinos hat seine Familie und seine Freunde seit mehr als acht Wochen nicht gesehen. Manchmal ist er furchtbar müde, und von dem vielen Arbeiten tun ihm Rücken und Nacken weh. Doch er ist erleichtert, dass die Zahl der Fälle abnimmt. „Ich freue mich sehr, dass unser kleines Land das so gut hinbekommt“, sagt er. Alle arbeiten zusammen, und das stimmt ihn zuversichtlich. „Wir dürfen jetzt nicht die Hände in den Schoß legen“, warnt er. „Wir dürfen nicht nachlassen. Wir müssen die Bevölkerung schützen und unser Gesundheitswesen stärken.“

„Mit der Kampagne #EMKrepi bringen wir slowenische Unternehmen und junge Menschen zusammen – um unsere Wirtschaft wiederzubeleben.“

Nika Studentin, die will, dass junge Menschen in der Coronakrise vor allem slowenische Produkte und Dienstleistungen wählen Slowenien, Ljubljana

Kleine Geschäfte in ganz Slowenien leiden unter den Folgen der Ausgangssperre. Die slowenische Jugendagentur SLOAM, die in Slowenien die Europäische Jugendkarte ausgibt, will ihnen mit der Kampagne #EMKrepi Mut machen. Die Idee ist einfach: Die Europäische Jugendkarte bietet jungen Leuten unter 30 Jahren Vorteile, wenn sie in kleinen Läden einkaufen. So helfen sie auch Geschäftsleuten in ihrem Freundeskreis, über die Runden zu kommen. SLOAM will erreichen, dass junge Leute ihr Potenzial ausschöpfen, an der Gesellschaft teilhaben und verantwortungsvolle Entscheidungen treffen. In Slowenien haben schon 120 000 junge Leute eine Jugendkarte. Das entspricht 40 % der slowenischen Jugend. „Die Karte bietet viele Vorteile – zum Beispiel mehr als 70 000 Rabattaktionen in ganz Europa. Die Kampagne #EMKrepi ist unser neuestes Projekt. Wir wollen, dass junge Leute in den nächsten Monaten vor allem slowenische Produkte kaufen. Das soll helfen, unsere Wirtschaft wieder anzukurbeln“, erklärt Nika Stegovec.  

„Wir ließen die Leute darüber abstimmen, worauf sie während der Ausgangssperre keinesfalls verzichten konnten.“

Femi Unternehmer, der die Kultur und Lebensweise in Irland während der Pandemie für die Nachwelt festhält Irland, Dublin

Die Coronavirus-Pandemie führt uns vor Augen, wie sehr die Meinungen darüber auseinandergehen, was wir wirklich brauchen. Wir haben miterlebt, wie Toilettenpapier plötzlich zum Verkaufsschlager wurde. Aber was ist für junge Leute wirklich unverzichtbar? Das irische Unternehmen Slight Motif wollte das herausfinden und führte eine Umfrage in den sozialen Medien durch. Zur Auswahl standen 32 Dinge – zum Beispiel Taschentücher, Snacks, Desinfektionsmittel und Sportgeräte. „Nach fünf Runden stand fest: Ohne die Spotify-App geht Quarantäne für unser junges Publikum gar nicht“, so Femi Falana. Mit dem Projekt „Quarantine Bunker Pack“ will Slight Motif die urbane Kultur und Lebensweise in Irland während der Coronakrise für die Nachwelt festhalten.

„Die Dankbarkeit unserer Passagiere werde ich nie vergessen.“

Olga Flugbegleiterin bei Rückholflügen Polen, Warschau

#LOTdoDomu (Flieg heim mit LOT) war organisatorisch und logistisch eine der schwierigsten Aktionen in der Geschichte der polnischen Zivilluftfahrt. Im Zeitraum von 22 Tagen flog die polnische Fluglinie 71 Städte in 53 Ländern auf der ganzen Welt an. Die Aktion wurde im Rekordtempo auf die Beine gestellt, um Landsleuten zu helfen, die wegen der Coronavirus-Pandemie im Ausland festsaßen – weit weg von ihren Familien. „Diese Flüge unterschieden sich in vielerlei Hinsicht von unseren normalen Flügen. Es fühlte sich jedes Mal an wie eine Rettungsmission“, sagt Olga, die bei einigen dieser Flüge zur Besatzung gehörte. Insgesamt organisierte LOT stolze 388 Rückholflüge – und flog Passagiere aus Peru, Mexiko, Argentinien, Japan, den USA, Australien und vielen anderen Ländern aus. So brachte die Fluglinie mehr als 54 000 Polinnen und Polen von sechs Kontinenten aus nach Hause zurück.

„Jedes Leben zählt.“

Constantinos Spezialist, der die Pandemie an mehreren Fronten bekämpft – von der Notaufnahme bis hin zur landesweiten Koordinierung Zypern, Nikosia

Constantinos Constantinou ist Spezialist für Infektionskrankheiten bei der staatlichen Gesundheitsorganisation Zyperns. Von Anfang an hat er die Coronavirus-Pandemie auf unterschiedliche Art bekämpft. Bei seiner Arbeit im zyprischen Gesundheitsministerium wurde ihm bewusst, dass es kaum verlässliche Informationen über dieses neue Gesundheitsrisiko gab. Im Ministerium koordinierte er die Verbreitung und ständige Aktualisierung der COVID-19-Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation, des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten und anderer internationaler Einrichtungen. Im Moment beginnt sein Tag damit, dass er Kranke in der Corona-Abteilung des allgemeinen Krankenhauses von Nikosia behandelt, und er endet spät abends: In langen Telefonaten und E-Mails tauscht sich Constantinos mit Kolleginnen und Kollegen über die Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten aus – und Normalsterblichen erklärt er, wie sie sich selbst und ihre Angehörigen schützen können.

„Wir beraten Kleinunternehmen bei rechtlichen Fragen zur Pandemie.“

Małgosia und Katarzyna Anwältinnen, die kostenlose Rechtsberatung für von der Pandemie betroffene Unternehmen anbieten Polen, Posen

Viele Unternehmen waren auf die Coronavirus-Pandemie und ihre Folgen gar nicht vorbereitet. Wie geht man mit Lieferschwierigkeiten um? Welche Klauseln über höhere Gewalt gelten für mein Unternehmen? Die polnische Anwältin Małgosia will hier Klarheit schaffen. Deswegen betreibt sie einen YouTube-Kanal, auf dem sie Unternehmerinnen und Unternehmern rechtliche Fragen einfach erklärt. „Ich gebe Unternehmen Ratschläge zu den neuesten Vorschriften und den staatlichen Finanzhilfen, die sie beantragen können“, erklärt sie. „Die Corona-Gesetze werden in Polen laufend aktualisiert. Deswegen half mir Katarzyna, das Konzept weiterzuentwickeln.“ Die beiden bieten jetzt vor allem Webinare und Telefonberatung für Kleinunternehmen an, um so ihr juristisches Fachwissen weiterzugeben. Dabei geht es zum Beispiel um Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre von Arbeitnehmern, die von zuhause aus arbeiten. Auf der Website und der Facebook-Seite ihrer Kanzlei informieren Małgosia und Katarzyna über ihr Projekt.

„Vie Féminine hilft Frauen dabei, ihre sozialen Rechte einzufordern und in Kontakt zu bleiben.“

Yasmina und Fatima Aktivistinnen, die eine Hotline für Frauen in Not und eine Facebook-Gruppe eingerichtet haben, auf der sich Frauen gegenseitig helfen Belgien, Charleroi

Die belgische Frauenorganisation „Vie Féminine“ ist stets für Frauen in Not da. Die Coronakrise stellte sie vor neue Probleme: Mehr Frauen brauchten Hilfe, und gleichzeitig wurde es immer schwieriger, die normalen Arbeitsabläufe beizubehalten. Fatima und Yasmina mussten sich etwas einfallen lassen. Sie richteten schnell eine täglich erreichbare Hotline ein, die es Frauen in Charleroi ermöglicht, in Kontakt zu bleiben und ihre sozialen Rechte per Telefon einzufordern. Vie Féminine ist aber nicht nur in Charleroi, sondern in ganz Wallonien tätig. Neben der Hotline gründeten Fatima und Yasmina auch eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Confinées et solidarités“. „Dank unserer Gruppe können Frauen während der Ausgangssperre in Kontakt bleiben und zusammenhalten – auf vielerlei Art: Sie tauschen sich darüber aus, wie man die Kinder beschäftigen kann, organisieren Lebensmittelhilfe und helfen einander in Notfällen. Es ist uns gelungen, einen Raum der gelebten Solidarität zu schaffen“, erklären Fatima und Yasmina.

„Über unsere Karte findet man Erzeuger in der Nähe – und kann sie gleich kontaktieren.“

Celine und Ludovic helfen Erzeugern in ihrer Region, die pandemiebedingte Ausgangssperre zu überstehen Frankreich, Beaumontel

Örtliche Erzeuger sind in Frankreich kaum ein Thema – aber unter der Ausgangssperre litten sie besonders stark, denn Bauernmärkte, Restaurants und Schulkantinen mussten schließen. In der Normandie fragte man sich: Wie bringt man die Menschen in dieser schwierigen Zeit dazu, vor Ort zu kaufen? Mit dem „RolloN“ gibt es in der Normandie eine digitale Lokalwährung. Der dafür zuständige Verband hat nun eine Karte der Region erstellt, die seit dem 8. April online ist. Sie trägt den Titel „Au Rendez-Vous des Normands“ (Treffpunkt Normandie) und enthält die Kontaktdaten von mehr als 1 200 örtlichen Erzeugern. So lassen sich die verschiedensten frischen Produkte finden – von Obst und Gemüse über Fisch und Meeresfrüchte bis hin zu Fleisch und Milchprodukten. Die Karte wurde inzwischen schon mehr als 3000 Mal aufgerufen.

„Wir wollen denen helfen, die am stärksten unter der „neuen Normalität“ leiden.“

Anca Entwicklerin, die örtlichen Unternehmen und Krankenhauspersonal hilft, die Pandemie zu überstehen Rumänien, Bukarest

Anca wollte verhindern, dass örtliche Unternehmen wegen der Pandemie aufgeben müssen. Ihre Idee: auf Facebook für Gutscheine zu werben, die man nach der Ausgangssperre einlösen kann. „In den sozialen Medien verbreitete sich die Kampagne wie ein Lauffeuer – in weniger als 24 Stunden“, erzählt Anca. „Die Online-Buchungsplattform CardCadou beschloss, mit uns zusammenzuarbeiten. Inzwischen machen schon mehr als 140 Kleinunternehmen in ganz Rumänien mit.“ Doch Anca war noch immer voller Tatendrang. Deswegen schuf sie die Plattform #CafeaPentruSpitale (Kaffee für Krankenhäuser). Dort kann man Kaffeegutscheine für Krankenhauspersonal kaufen. „Über #CafeaPentruSpitale konnten wir Krankenhäuser in Bukarest und fünf anderen rumänischen Städten hektoliterweise mit erstklassigem Kaffee versorgen“, freut sich Anca. Das Krankenhauspersonal war überwältigt von der Aktion – und die Berliner Kaffeerösterei The Barn war so beeindruckt, dass sie in Deutschland ein ähnliches Projekt auf die Beine stellte.

„Am Anfang gab es kaum Modelle zur Überwachung und Vorhersage des Pandemieverlaufs. Wir mussten einfach helfen!“

Dr. Leskovar und Prof. Dr. Cizelj Nuklearingenieure aus Slowenien, die die Behörden mit unverzichtbaren Statistiken zum Verlauf der Coronavirus-Pandemie versorgen Slowenien, Ljubljana

Die Coronavirus-Pandemie hält die europäische Bevölkerung in Atem. Zwar werden die Ausgangssperren allmählich aufgehoben, aber die gefürchtete „zweite Welle“ ist nicht auszuschließen. Erst mit der Zeit – konkret anhand von Statistiken – wird man sehen, wann die Pandemie nur noch eine böse Erinnerung sein dürfte. Für die slowenischen Behörden, die die nächsten Schritte festlegen, sind die von Dr. Matjaž Leskovar und Prof. Dr. Leon Cizelj regelmäßig veröffentlichten Corona-Statistiken zu einer wichtigen Entscheidungshilfe geworden. Darauf wollten die beiden mit ihren Berechnungsmodellen aber gar nicht hinaus. Sie waren am Anfang vor allem neugierig – und außerdem haben Experten für Kernenergie ein Gespür dafür, wann sie einsatzbereit sein müssen. Die Statistiken werden von der Abteilung für Reaktortechnik des Instituts „Jožef Stefan“ veröffentlicht. Sie beleuchten vor allem die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Slowenien. Zu sehen sind sie auf einem eigenen Youtube-Kanal.